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	<title>Biblionik &#187; Handy</title>
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	<description>Zur Revolutionierung von Bibliothek und Wissensorganisation durch das Internet</description>
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		<title>Wie sozial ist das Internet?</title>
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		<pubDate>Sat, 30 Aug 2008 15:39:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lambert Heller</dc:creator>
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Sind wir plötzlich alle zu gut vernetzten Einzelgängern geworden? Und wenn ja, ist das Internet schuld daran? Liefert es den Ersatz für echte soziale Kontakte? Auf diese Fragen gibt es einige überraschend gute Antworten, die hier kurz vorgestellt werden, einschließlich zahlreicher Links zum Weiterlesen, und sogar zum Weiter-Video-Gucken. Das Internet ist ein soziales Instrument &#8212; [...]]]></description>
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<abbr class="unapi-id" title="http://biblionik.de/?p=45"><!-- &nbsp; --></abbr>
<p>Sind wir plötzlich alle zu gut vernetzten Einzelgängern geworden? Und wenn ja, ist das Internet schuld daran? Liefert es den Ersatz für echte soziale Kontakte? Auf diese Fragen gibt es einige überraschend gute Antworten, die hier kurz vorgestellt werden, einschließlich zahlreicher Links zum Weiterlesen, und sogar zum Weiter-Video-Gucken.<span id="more-45"></span></p>
<p>Das Internet ist ein soziales Instrument &#8212; diesen Satz würde vermutlich jeder Internet-Benutzer unterschreiben, so banal scheint das heute zu sein. E-Mail ist vielleicht immer noch das Internet-Medium Nr. 1, aber auch verschiedene soziale Webdienste sind seit einigen Jahren massenhaft verbreitet. Das ist eine Neuigkeit. Bis vor ca. zehn Jahren war das Web zwar populär, und fast alle Nicht-Internet-Benutzern hatten zumindest schon einmal davon gehört. Aber es schien sich primär um ein Medium zum Abrufen von Informationen zu handeln. Und man muß hinzufügen: Zum mühseligen Abrufen recht statischer Informationen, deren Qualität zudem pauschal bezweifelt wurde.</p>
<p>Das alles hat sich schleichend und grundsätzlich innerhalb weniger Jahre geändert. Dafür haftet dem Internet heute das Image an, irgendwie separat von der übrigen, wenn nicht gar der &#8220;eigentlichen&#8221; sozialen Welt zu sein. Hier das Zusammentreffen mit echten Menschen, dort die fragwürdigen Geschäfte der Social-Network-Dienste und der Netz-Jargon. Hier der persönliche Kontakt, dort die &#8220;anonyme&#8221; Online Community. Hier das &#8220;echte&#8221; Leben, dort Second Life, das irgendwie doch &#8220;nur ein Hype&#8221; sein könne. Man erinnere sich an die halb scherzhaft gemeinte Polemik &#8220;<a href="http://www.getafirstlife.com/" class="liexternal">Get a first life!</a>&#8220;. Skeptisch wägen Eltern ab, wieviel Online-Zeit für einen Heranwachsenden &#8220;normal&#8221; sei, nicht zuletzt, weil sie die soziale Wertigkeit der Online-Zeit für gering erachten &#8212; wenn sie diesen sozialen Aspekt überhaupt (an)erkennen. Die Liste ließe sich fortsetzen.</p>
<p>Der kanadische Soziologe <em><strong>Barry Wellman</strong></em> und seine KollegInnen demonstrieren nachvollziehbar, wie unzutreffend dieses Bild ist. Demnach wird das soziale Instrument Internet (oder genauer: verschiedene soziale Instrumente auf der technischen Plattform Internet) vermischt mit anderen Instrumenten eingesetzt. Seine Bedeutung spiegelt zwar auch die <strong><em>Bedeutungszunahme eines breiten Netzwerks lockerer, diffuser Bindungen</em></strong> (&#8220;weak ties&#8221;) wieder, die wir um uns herum aufbauen &#8212; aber weder vermag es diese neue Sozialstruktur allein herbeizuführen, noch ersetzt diese Art sozialer Beziehung alles anderen Beziehungen.</p>
<p>Die neue räumliche Mobilität (Billigfluglinien, das obligatorische Auslandssemester etc.) sowie neue Medien der Individualkommunikation (vor allem Handy und Internet-Dienste) hängen Wellmans These zufolge damit zusammen, daß wir heute ganz anders soziale Kontakte knüpfen und pflegen als noch vor zwanzig Jahren. Der Zusammenhang geht in beide Richtungen: Die technischen Veränderungen drücken einen wachsenden sozialen Bedarf aus, treiben die Veränderung der sozialen Verhältnisse aber auch voran.</p>
<p>Ein besonders prägnantes Beispiel für diese Veränderung ist, daß Kommunikation nicht mehr vermittelt über Gemeinschaften (der familiäre Haushalt) oder gemeinschaftliche genutzte physische Orte (die Familienwohnung) stattfindet. Stattdessen, so Wellman, ist jetzt jeder sein eigenes &#8220;Portal&#8221; und seine eigene &#8220;Schaltzentrale&#8221;. Besonders offensichtlich wird das an der Ablösung des Festnetztelefons durch das Handy: Früher war das Telefon fest mit der Wand verbunden, und wenn es klingelt konnten möglicherweise verschiedene Haushaltsmitglieder abheben. Die Kommunikation mit dem Handy funktioniert völlig anders, und strukturiert vor allem den Zugang zum Besitzer des Handys anders.</p>
<p>Der Einzelne als &#8220;sein eigenes Portal&#8221;, die Re-Strukturierung der Kommunikation durch das Handy, und Internet-Dienste als Werkzeugkasten zur Pflege der komplizierten Netze lockerer Beziehungen werden sehr anschaulich beschrieben in <a href="http://jcmc.indiana.edu/vol8/issue3/wellman.html" class="liexternal">The Social Affordances of the Internet for Networked Individualism</a> (Journal of Computer-Mediated Communication 8 (3) April 2003).</p>
<p>In einem <a href="http://www.science21stcentury.org/abstracts.html#Wellman" class="liexternal">Abstract</a> für ihren Vortrag auf der Konferenz <a href="http://www.science21stcentury.org/" class="liexternal">Science in the 21st Century</a>, die nächsten Monat im Perimeter Institute, Waterloo, Ontario, Kanada, stattfindet, fassen Barry Wellman und Lee Rainie sehr kompakt den aktuellen Stand der Entwicklung ihres Konzepts &#8220;vernetzter Individualismus&#8221; zusammen.</p>
<p>Eine interessante Bezugnahme auf Wellmanns These enthält ein ca. einstündiges <a href="http://www.youtube.com/watch?v=TPAO-lZ4_hU&amp;fmt=6" class="liexternal">Video</a>, in dem Michael Wesch zusammen mit einigen seiner StudentInnen <em><strong>YouTube</strong></em> ethnologisch untersucht. Unbedingt sehenswert, nicht nur deshalb, weil Wesch seine Ergebnisse in dem Video den KollegInnen an der Library of Congress präsentiert.</p>
<p>Eine gute Beobachtung, die Wesch und seine StudentInnen in diesem Video dokumentieren: Die selben Bedingungen, die YouTube-Kommentarforen zu einem geeigneten Schauplatz von &#8220;hatred as public performance&#8221; machen (Anonymität, räumliche Distanz etc.) machen YouTube auch zu einem Ort, an dem sich Menschen furcht- und sorglos artikulieren können. In meinen Augen ist Weschs Video ein eindringliches Darstellung von YouTube als einem überaus bewahrungswürdigen Ausdruck menschlicher Kreativität. Ich bedauere es wirklich, mit welcher Selbstverständlichkeit sogar manche Bibliothekare heute die profanen, alltäglichen Äußerungen in Medien wie YouTube mit Bemerkungen wie &#8220;user generated rubbish&#8221; für wertlos erklären. Der Wunsch, kulturelle Artefakte nach Erhaltenswürdigkeit gegeneinander relativieren und aussortieren zu wollen, ist mir unverständlich.</p>
<p>Dieser Beitrag hier beantwortet auch eine Frage, die der Kollege Joachim Eberhardt zu meinem letzten Blog-Beitrag <a href="http://biblionik.de/2008/08/04/sozialer-suchraum/#comment-33" class="liinternal">gestellt hatte</a>: &#8220;Was denken Sie denn über den <strong><em>Typ von Suchanfragen</em></strong>, der über das persönliche Netzwerk besser beantwortet werden könnte als durch eine Google-Suche?&#8221;. &#8212; Bei der Erstellung dieses Beitrags war die Suche in meinem persönlichen sozialen Netzwerk, in diesem Fall die Suche in den von mir gelesenen Feed Items im Google Reader, ein wichtiges Retrieval-Werkzeug. So kam ich z.B. wieder auf <a href="http://weblogg-ed.com/2008/michael-weschs-presentation-to-library-of-congress/" class="liexternal">Will Richardsons Hinweis</a> auf die Erwähnung des &#8220;networked individualism&#8221; in dem Video von Prof. Wesch. Der Google Reader lädt quasi mich dazu ein, nur noch stichwortartig &#8220;interessante Ideen&#8221; oder Verknüpfungen zu erinnern, aber nicht mehr die Quelle oder den Kontext. Denn meine individuelle &#8220;Lesespur&#8221;, die ganz individuelle Mischung der Medien und Verweise, die ich im Google Reader an mir vorbeiziehen lasse, überfliege oder auch intensiv auswerte, kann ich jederzeit &#8220;zurückspulen&#8221; und durchsuchen.</p>
<p>Abschließend noch eine deutschsprachige Aufsatzsammlung über (unter anderem) den vernetzten Individualismus:  Betina Hollstein, Florian Straus (Hrsg.): <em><strong>Qualitative Netzwerkanalyse: Konzepte, Methoden, Anwendungen</strong></em>.  VS Verlag 2006, ISBN 3531143948. (E-Zugriff: Auszüge bei <a href="http://books.google.de/books?id=F-PMP5FcakIC" class="liexternal">Google Books</a> und <a href="http://www.amazon.de/gp/reader/3531143948/" class="liexternal">Amazon</a> sowie das vollständige, leider zugangsbeschränkte <a href="http://www.springerlink.com/content/r6h673/" class="liexternal">E-Book</a> bei Springer.)</p>

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