Was sind Twitter-Listen?
Als ich das neue Listen-Feature von Twitter das erste mal sah, assoziierte ich damit die kuratierten (Blog-)Feeds, über die wir vor drei bis vier Jahren diskutierten. Diese Analogie reicht aber nicht aus, um die Twitter-Listen zu erklären, denn hier kommen zwei neue Besonderheiten hinzu:
- Twitter ist vielleicht bereits jetzt populärer als Blogs und erst recht als kuratierte Feedsammlungen (“Blogrolls”) es je waren oder sein werden. Und das neue Listen-Feature ist (anders als Blogrolls, deren Handhabung erst mit Online-Feedreadern wie Bloglines oder später erst recht mit Google Reader bequem geworden war) direkt an jeden Twitter-Account drangeschraubt, und wird demnächst sicherlich auch in den Twitter-Clients vorzufinden sein — eine günstige Voraussetzung für eine verbreitete Benutzung. Für diese Verbreitung habe ich einige empirische Anhaltspunkte aus meinem eigenen Umfeld, vgl. weiter unten.
- Twitter ist vielleicht (beweisen kann ich’s nicht) noch persönlicher als Blogs. Es gibt zwar viele Twitter-Bots (vgl. Twitterfeed), aber ich kenne z.B. niemanden, der auf einen persönlichen Twitter-Account zugunsten des Twitterns mit/für eine Gruppe/Organisation verzichtet. Twitter völlig personalisiert zu nutzen ist viel zu einfach und zu naheliegend, um darauf verzichten zu wollen. Lieber legt man dann nebenher noch ein paar weitere Accounts für Gruppen, Organisationen oder sonstwas an, die man zusätzlich (mit-)befüllt.
Twitter-Lists sind auch deshalb mehr als kuratierte Tweet-Listen, weil sie die persönliche Zeitleiste, das Hauptkonzept der Nachrichtenkonsumption bei Twitter, nicht durchbrechen, sondern durch etwas anderes ergänzen. Der Aufbau der Benutzeroberfläche von Twitter macht klar, was das “Followen” ist:
Benutzer X liest (gelegentlich, vielleicht…) die Tweets von Benutzer Y.
Und genau so klar ist, was die (zahlreichen, getrennt und “hinter” der Zeitleiste liegenden) Listen sind:
Benutzer X ordnet dem Benutzer Y das Label A zu.
Es handelt sich also um People Tagging, wie Rachel Happe und andere bereits angemerkt haben. Ich vermute, daß Twitter Listen das erste populäre PT-System auf der “freien Wildbahn” des Webs werden könnten. Zumindest fällt auf, daß dieser Begriff bisher fast ausschließlich im Zusammenhang mit dem Wissensmanagment innerhalb von Unternehmen auftaucht. Übrigens gibt es auch bei Facebook nichts vergleichbares, denn die Gruppen-, Fan- etc. Zugehörigkeiten dort kann lediglich jeder sich selbst zuordnen.
Natürlich sind kuratierte Blogrolls wie der Planet Biblioblog 2.0 auch People Tagging. Die Auswahl der enthaltenen Blogs spiegelt wieder, welche deutschsprachigen BibliobloggerInnen Jin Tan, Edlef Stabenau und ich bisher entdeckt haben. Aber wie viel interessanter wird es, wenn Mitglieder dieser Community sich mühelos gegenseitig identifizieren? So sind seit Einführung des Twitter-Listenfeatures unabgesprochen und spontan innerhalb weniger Tage ungefähr ein dutzend unterschiedliche Listen deutschsprachiger Bibliotwitterer angelegt worden. Ich habe mich selbst z.B. in einschlägigen Listen von @daskey, @bodop, @v_i_o_l_a, @fabi_k, @bibliothekarin, @Stf_, @rotula, @librarymistress, @textundblog sowie @acka47 wiedergefunden.
Es gibt also allen Grund, gespannt zu verfolgen, wie die Twitter Lists in der Praxis verwendet werden, und wie Drittanwendungen es erlauben werden, interessante Schlüsse aus diesem neuartigen Beziehungsnetz zu ziehen.
P.S. Ein weiterer kleiner Vergleich: Die Tag Cloud von Der Westen bei delicious, und die Tag Cloud (leider noch nicht als solche visualisiert) bei Twitter.



[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Lambert Heller und biblioblogs, Adrian Pohl erwähnt. Adrian Pohl sagte: RT @Lambo Neuen Beitrag bei Biblionik veröffentlicht: Was sind Twitter-Listen? http://is.gd/4QKgo #lists #peopletagging [...]
Was ich bei den Listen ganz spannend finde: man kann – auch wenn man darauf bedacht ist, nicht übermäßig vielen Twitterern zu folgen – über die Listen weitere Menschen auf dem Info-Radar behalten. Ich selbst begrenze mich auf Twitter etwa auf 180 Accounts, denen ich folge, dabei sind aber lange nicht alle bibliotheksrelevanten aus dem deutschsprachigen raum. Über die Listen habe ich nun die Möglichkeit punktuell meinen “Twitterhorizont” (zu diesem und zu anderen Themen) zu erweitern, ohne meine standardmäßige Timeline zu überfrachten.
Auch sehr interessant finde ich die Möglichkeit Twitter-Listen per RSS zu abonnieren.
Ich habe beides (Vorteile der Listen & RSS) auch in meinem Posting Twitter-Listen: sinnvolle Ergänzung des Dienstes ausgeführt.
[...] Twitter-Listen: was ist das? 10. November 2009 Eine Antwort auf diese Frage gibt es hier! Habe ein wenig mit Twitter-Listen gespielt, habe mich aus- und eingetragen und eine eigene zweite [...]
[...] Biblionik » Was sind Twitter-Listen? So sind seit Einführung des Twitter-Listenfeatures unabgesprochen und spontan innerhalb weniger Tage ungefähr ein dutzend unterschiedliche Listen deutschsprachiger Bibliotwitterer angelegt worden. (tags: twitter-listen twitter tagging 2009 11/2009 biblionik lambert_heller) [...]
“ich kenne z.B. niemanden, der auf einen persönlichen Twitter-Account zugunsten des Twitterns mit/für eine Gruppe/Organisation verzichtet.”
Du kennst sicher uns, die uncoolen BibliothekarInnen, wir haben einen gemeinsamen Twitter-Account, bsu_news, den wir abwechselnd befüllen. Nur eine von uns haben einen eigenen Twitter Account, Sophie__T. Bisher funktioniert das auch ganz gut.
Die Listen, die man nun anlegen kann, sind wirklich ein super praktisches tool für die Organisation der vielen Themen die von Interesse sind.
Man könnte ja mal versuchen die ganzen Tweets mit DDC zu klassifizieren. Das wäre mal ne Aufgabe für die BibliothekaIn 2.0.
@Schnusbell bezüglich der Listen http://tinyurl.com/yhz5qhe
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