Google Sidewiki – und drei Tools, die es überflüssig machen

Google hat heute einen Fuß auf einen weiteren Webdienste-Markt gesetzt: Mit Sidewiki sollen persönliche Kommentare zu einer exakten URL geschrieben und aufgerufen werden können. Aus der Sicht des Webs ist das kein bißchen innovativ, aus Sicht des einzelnen Webbenutzers vollkommen verzichtbar — und aus sprachinteressierter Sicht nervig, weil dieser Dienst nichts mit Wikis zu tun hat. Aber der Reihe nach.

Michael Arrington hat  im Weblog TechCrunch bereits gezeigt, daß die Idee von Sidewiki alles andere als neu ist: Bereits vor acht Jahren, noch vor der Gründung von StumbleUpon, dem heutigen Platzhirschen auf diesem Markt, existierten solche Angebote. Und das ist der Haken von Sidewiki. Die Google Websuche war noch angetreten, bestehende Informationen, die auf allen möglichen Wegen ins Web gelangt sind, erschließen zu helfen. Demgegenüber dienen neue Google-Dienste wie Sidewiki nur noch dazu, innovativen Diensten das Wasser abzugraben und Daten bereits zum Entstehungszeitpunkt auf Google-eigenen Servern zu plazieren.

Mein Tipp: Besser die reichhaltigen URL-bezogenen Annotationen verwenden und nachnutzen, die bereits vorhanden sind! Dies funktioniert sehr gut mit sogenannten Bookmarklets. (Links zu den hier beschriebenen Bookmarklets ganz am Ende des Beitrags.) Einfach das Bookmarklet in der Lesezeichenleiste des Browsers plazieren und beim Besuch der jeweiligen URL anklicken.

Beispiele: So sähen die Ergebnisse für eine entsprechende Recherche zur URL http://biblionik.de bei delicious.com aus, so bei Google Blogsearch, und so bei Backtype Connect (Suche nach Tweets). Natürlich gibt es Bookmarklets dieser Art auch für StumbleUpon, Digg, MrWong, Reddit, CiteULike und was es noch so alles gibt. Meine subjektive Empfehlung wären jedoch die drei oben genannten, dort finde ich regelmäßig relevante Hinweise darauf, wer sich warum für irgendeinen obskuren Artikel interessiert. Dies ist ein unverzichtbarer Rechercheweg im heutigen Web. Unter anderem, weil sich entlang der Spuren andere Entdecker und Kommentierer im Web weitere Informationsobjekte finden lassen.

Ich ärgere mich ein wenig darüber, daß Google bei der Erfindung von Markennamen für neue Produkte vom Ruhm der Wikipedia zu profitieren versucht, indem alles Wiki genannt wird (zuvor gab es bereits Google Searchwiki), und gleichzeit verwischt, was der Begriff Wiki eigentlich bezeichnet. Google Sidewiki ist kein Wiki, Punkt. Übrigens (Achtung, jetzt erzählt Opa von der Webgeschichte…) gab es vor fünf Jahren mal einen Dienst, der URL-genaues Kommentieren in einem echten Wiki erlaubte. Das ganze basierte sogar auf Open Source-Software! Das Projekt nannte sich Wikalong und ist bedauerlicherweise vor drei Jahren eingeschlafen. Im netbib weblog hatte ich das Angebot damals beschrieben und noch eine Weile interessiert verfolgt.

Last not least: Eine Reihe aktueller Bookmarklets der beschriebenen Art gibt es z.B. im Google Chrome Forum; ein Bookmarklet zu Backtype Connect gibt es ebenda, gleich auf der Startseite, (vgl. auch die interessante Besprechung dieses Tools im Weblog von John Tropea), und ein Bookmarklet für Google Blogsearch hier.

6 thoughts on “Google Sidewiki – und drei Tools, die es überflüssig machen

  1. Langfristig könnte ich mir schon vorstellen, dass Sidewiki eine ähnliche Qualität wie die drei von dir vorgeschlagenen Recherche-Tools erreicht. Allerdings wird es genau wie deine drei Beispiele darunter leiden, dass diese Technologie nur von einem kleinen Teil der Surfer eingesetzt wird.

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